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Bewegtbildrechte im Amateurfußball

Das Thema "Bewegtbildrechte im Amateurfußball" ist derzeit sehr aktuell, auch aufgrund verschiedener Anbieter mit unterschiedlichen Modellen, die sich am Markt bewegen bzw. auf unsere Vereine zukommen.

Die Thematik der Bewegtbildrechte ist ausgesprochen komplex, weshalb der ÖFB versucht hat, die einzelnen Punkte einfach darzustellen und nicht zu sehr in die (juristische) Tiefe zu gehen und dürfen diese wie folgt zusammengefasst werden:

  • Wer hält die Rechte für Bewegtbilder bei Bewerbsspielen im Amateurbereich? Insbesondere auf Grundlage ihres Hausrechtes verfügen die jeweils ausrichtenden Heimvereine über die sogenannten medialen Rechte an den Spielen, die auf ihrem Sportplatz stattfinden. Das bedeutet, dass sie Dritte zur Herstellung und Vermarktung audiovisueller Aufnahmen von diesen Spielen berechtigen können. Ausgenommen sind Spiele, an denen die medialen Rechte bereits an Andere abgetreten wurden (zB. ÖFB Cup, etc.).
  • Kann/soll man bei der Vergabe differenzieren zwischen überregionalen Anbietern, wie zum Beispiel RS Digital oder Fan.TV, und (regionalen) TV-Sendern?
    In regionalen TV-Sendern wird das (regionale) Vereinsinteresse womöglich besser abgebildet, was auch für regionale, kleinere Unternehmen und damit potentiellen Sponsoren von größeren Interesse sein kann. In der Regel wird auch keine Exklusivität an dem Bildmaterial eingeräumt werden müssen.
    Überregionale Anbieter bringen den Vorteil einer größeren Reichweit, was ebenfalls für Sponsoren interessant sein kann; nachteilig ist womöglich, dass man hier als Verein einer von vielen ist und vielleicht Exklusivität verlangt wird.  
  • Was ist bei der Vergabe der Rechte zu beachten bzw. welche Möglichkeiten (Erst- & Zweitverwertungsrechte etc.) gibt es?
    • Wesentlich ist zunächst, dass der Anbieter – sollte nicht physisch gefilmt werden – das entsprechende Kamerasystem (weitestgehend automatisiert) für die Herstellung der Bewegtbildaufnahmen bereitstellt und für die Anbringung, Wartung, Instandhaltung des Kamerasystems sowie für die Produktion der Aufnahmen die organisatorische und finanzielle Verantwortung trägt. Die Betriebs- und Verkehrssicherheit des Kamerasystems sowie die Einhaltung der rechtlichen Vorgaben durch dessen Betrieb (zB Datenschutzrecht) hat ebenfalls in den Verantwortungsbereich des Anbieters zu fallen.
    • Die Frage, die im Vorfeld vom Verein beantwortet werden muss, ist, ob die medialen Rechte exklusiv an einen einzelnen Anbieter gehen sollen, oder ob die mediale Verwertung der Spiele co-exklusiv mehreren Anbietern angeboten werden soll. Abgetreten können die Rechte aber auch an mehrere Anbieter exklusiv, wenn ein Erst- und Zweitauswahlrecht integriert wird, um die Exklusivität an jedem jeweiligen Spiel für den Anbieter sicherzustellen. 
    • Es gilt zu regeln, wo die über das Kamerasystem erstellten Aufnahmen medial der Öffentlichkeit verfügbar gemacht werden sollen - über eine eigene Online-Plattform des Anbieters, die eigene Homepage des Vereins, eine App, Plattformen Dritter odgl?
    • Zurückbehaltene Rechte des Vereins sind in jede Vereinbarung zu integrieren – so z.B. das Recht, dass die erstellten Aufnahmen auch live in die Internetseiten des Vereins integrierbar sind; aber auch das Recht, Highlights der Aufnahmen zu erstellen und diese selbst zu vermarkten und auf eigenen Vereins-Kanälen (Internetseiten, Social Media Kanälen usw.) zugänglich zu machen. Zudem sollte jeder Verein das Recht haben, die komplette Aufnahme eines Spiels für interne Analysezwecke verwenden zu dürfen.
    • Zum Thema Datenschutz ist klarzustellen, dass auf jeder Anlage entsprechende Hinweise ersichtlich gemacht werden müssen, dass Spiele gefilmt und über das Internet oder sonstige Verbreiterungswege der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden (zB beim Eingang auf den Sportplatz, in den Kabinen für Spieler, Schiedsrichter usw.).
    • Nachdem die medialen Rechte einem Anbieter wohl zur weltweiten Nutzung angeboten werden, erübrigen sich Ausführungen zu der aufgeworfenen Frage nach Erst- und Zweitrechten.
  • Welche Folgen hat die exklusive Vergabe der Bewegtbildrechte?
    Konkreter Fall aus der Praxis (der an den OÖFV herangetragen wurde):
    Wenn Verein A einen exklusiven TV-Partner TV1 für Zusammenfassungen von Heimspielen in der Regionalliga hat, was bedeutet das für TV-Sender TV2?
    Darf TV2 dann keine Bewegtbilder von diesen Spielen verwerten?
    Werden mediale Rechte exklusiv an einen Anbieter übertragen, sind diese entsprechend wertvoller. In diesem Fall ist aber eine Weitergabe oder Eigennutzung des Bildmaterial sehr eingeschränkt, weil dadurch die Exklusivität entwertet wird. Sofern die Spiele in den gesetzlichen Anwendungsbereich des Fernseh-Exklusivrechtegesetz (FERG) fallen, sind selbst bei exklusiven Bildrechten stets die Regelungen zur gesetzlichen Kurzberichterstattung (insb. § 5 FERG) zu beachten. Das wird im Bereich der Landesbewerbe nur sehr selten der Fall sein. Im Regelfall können daher bei einer exklusiven Weitergabe ohne Zustimmung des Käufers von niemanden (auch nicht vom Verein selbst) Bilder verwendet werden.

Foto: (C) GEPA